Der Mann im roten Mantel und der kalte Kamin
Es war der 25. Dezember, 3:42 Uhr,
irgendwo in einem kleinen Ort am Rande des Sauerlands.
Herr Schmidt, pensionierter Maschinenbauingenieur und überzeugter Weihnachtskritiker, lag frierend in seinem Sessel.
Sein Pelletkamin war aus, der Tank leer, und in seinem Wohnzimmer konnte man den Atem sehen.
„So ein neumodischer Mist“, brummte er, während er mit Wollsocken und Wärmflasche versuchte, sich warmzudenken. Früher hätte er einfach den Holzofen angeheizt. Zack, Flamme, fertig. Heute? Pellets. Apps. Heizpläne. Technik, die begeistert – wenn sie funktioniert.
Er öffnete die Ofentür, klopfte ans Gehäuse, als könne er ihm gut zureden.
Nichts.
Und dann: ein dumpfes Poltern auf dem Dach.
„Kaminfeger? Einbrecher? Elch?“
Schmidt schnappte sich die Taschenlampe. Doch bevor er zur Tür kam, stand plötzlich ein Mann im Wohnzimmer. Groß. Bärtig. Roter Mantel.
Leichte Rußspur an der Schulter.
„Guten Abend, Herr Schmidt.
Ich hab gehört, Sie frieren?“
Der Alte blinzelte.
„Sind Sie…?“
„Sagen wir: eine Mischung aus Notdienst, Wunder und einem sehr gut vernetzten Kundenservice.“
Der Mann griff in seinen Sack – und zog einen Sack Holzpellets heraus.
Original Pieper-Qualität.
Zertifiziert. Regional aus Familienhand.
„Woher…?“
„Wissen Sie, ich hab meine Quellen“, grinste der Fremde. „Und ich halte nichts von kalten Wohnzimmern an Weihnachten.“
Er füllte den Tank auf, drückte zwei Knöpfe, und – wuschhh – das vertraute Geräusch des brennenden Pellets flutete das Wohnzimmer. Wärme breitete sich aus. Die Fensterscheiben tauten auf. Selbst Schmidts Herz wurde ein kleines bisschen weich.
„Bleiben Sie doch auf einen Glühwein“,
murmelte er.
Doch der Mann war schon zur Tür.
„Schon weiter zur nächsten Mission – jemand in Haltern hat den Timer falsch programmiert.“
Und weg war er.
Schmidt saß noch lange da.
Wärmend. Schweigend. Nachdenklich.
Dann sagte er:
„Vielleicht… ist an Weihnachten doch was dran.“



